Chirotherapie

Unter Chirotherapie oder manueller Medizin versteht man die Behandlung einer Blockierung! Dies führt immer wieder zu Missverständnissen und Verständigungsschwierigkeiten.
Eine Blockade ist eine Bewegungseinschränkung eines Gelenks, die reversibel ist, d.h. die wieder rückgängig gemacht werden kann.
Man kann keine eingeklemmten Nerven oder ausgerenkte Gelenke behandeln und tut dies auch nicht. Leider hat sich für die manuelle Medizin im Volksmund der Begriff "einrenken" eingebürgert, richtig wäre es, vom Lösen einer Blockade zu sprechen.
Dies geschieht durch eine Methode bei der es, bei Anwendung der richtigen Technik, praktisch nicht zu Komplikationen kommen kann. Es wird immer wieder daraufhingewiesen, dass Manipulationen an der Halswirbelsäule zu Hirnblutungen führen kann, ob es aber tatsächlich einen ursächlichen Zusammenhang gibt, ist umstritten.
Das Knacken beim Lösen einer Blockade ist nicht etwa das Reiben von Knochen auf Knochen, sondern das Platzen von kleinen Stickstofibläschen im Gelenkspalt.
Am besten vorstellen kann man sich eine Blockade wie ein Pendel. Normalerweise schlägt es nach rechts und links gleichweit aus, der Kopf kann z.B. zu beiden Seiten gleichgut gedreht werden. Im Falle einer Blockade bewegt das Gelenk in die eine Richtung gut, in die andere Richtung nicht, diese Richtung ist blockiert. Das Pendel schlägt also frei nach links aus, nach rechts bleibt es in der Mittelstellung hängen. Beim "einrenken", beim Deblockieren bewegt man das Gelenk eben nicht mit Kraft über den Widerstand hinweg in die blockierte Richtung, sondern macht eine kurze, aber schnelle Bewegung in die freie, nicht gesperrte Richtung. Wenn das Pendel nicht nach rechts geht, bewegt man es schnell nach links. Hierdurch wird die Blockade gelöst. Bevor man diese schnelle Bewegung macht, prüft man mit einer langsamen Bewegung ob die Richtung der Bewegung vom Patienten schmerzfrei toleriert wird. Wenn man auf diese Weise vorgeht, kann man nach menschlichem Ermessen keinen Schaden verursachen.




Welche Beschwerden kann ein blockiertes Gelenk verursachen:
Hierzu muß man wissen, dass ein blockiertes Gelenk zu einer Verspannung und Nervenreizung in der unmittelbaren Umgebung führt. Dies führt zu Schmerzen im Gelenk selber. Klassisches Beispiel ist der Hexenschuß, ausgelöst durch eine Blockade im Ileosacralgelenk(ISG), also dem Verbindungsgelenk zwischen Becken und Wirbelsäule. Die Beschwerden können aber auch in die unmittelbare Umgebung ausstrahlen, wie bei den migräne artigen Kopfschmerzen im Rahmen einer Kopfgelenksblockade. Weiterhin kann es im Versorgungsgebiet des gereizten Nerven zu Beschwerden kommen. Dies muss man sich vorstellen, wie wenn man einen Nagel in die Wand schlägt und 5 Meter weiter die Lampe ausgeht.
Bei welchen Krankheitsbildern kann Chirotherapie die Beschwerden beseitigen oder lindern.
Kopfschmerzen: viele Patienten mit starken Kopfschmerzen, die z.T. seit Jahren unter der Diagnose Migräne herumlaufen, haben blockierte Kopfgelenke und verlieren nach Behandlung ihre Beschwerden. Dies soll nicht heißen, dass man jeden Migränepatienten mit Chirotherapie heilen kann, aber bei vielen Patienten nimmt zumindestens die Anfallshäufigkeit stark ab.



Sehstörungen: Patienten mit blockierten Kopfgelenken beschreiben manchmal diffuse Sehbeschwerden. Sie können zwar richtig sehen und lesen, waren auch schon beim Augenarzt, aber irgendwie ist es komisch. Die Beschwerden können typischerweise nicht richtig beschrieben werden.



Verstopfung: Bei Säuglingen und Kleinkindern findet man bei einer Blockade im ISG (Ileosacralgelenk, s.o.) eine Verstopfung, die nach Behandlung schlagartig verschwindet.
Motorische Entwicklungsverzögerung: Säuglinge, die nicht oder "komisch" krabbeln, Porutscher etc. leiden sehr oft an einer Blockade im ISG



Schlafstörungen: Kinder jeden Alters mit Blockierungen der Wirbelsäule reagieren manchmal mit Ein- oder Durchschlafstörungen. KISS-Syndrom: Der Klassiker! Eine Blockade im Übergang zwischen Kopf und Halswirbelsäule kann zur Kopfgelenk-induzierten-SymmetrieStörung führen. Dies sind Neugeborene, die bevorzugt nach einer Seite schauen, an einer Brust schlechter trinken, viel weinen und praktisch nur auf dem Arm zu beruhigen sind.
Blähungen, Drei-Monatskolliken, Schreikinder: Synonym für durchwachte Nächte, junge Eltern, die nach 4 Wochen Schlafentzug wie die Großeltern aussehen, dies alles kann ( nicht muss!!) ihre Ursache in blockierten Gelenken haben.



Schietbals: Auch ein Klassiker: Man schaut über die Schulter, man merkt es macht knack und kann den Kopf nicht mehr richtig drehen.



Analringstenose:

Bei diesem recht unbekanntem Krankheitsbild handelt es sich um eine häufige Ursache für Blähungsbeschwerden mit oder ohne Verstopfung bei jungen Säuglingen und Neugeborenen, gelegentlich auch Dreimonatskoliken genannt. Im Laufe der normalen Embryonalentwicklung ist der After bei allen Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer Membran verschlossen, der membrana analis. Diese Membran bildet sich üblicherweise bis zur Geburt vollständig zurück. Bei einem Teil der Kinder scheint ein Rest dieser Membran als fester Ring nach der Geburt bestehen zu bleiben. Dieser Ring kann sich nicht mitdehnen und am Übergang zu dem normalen Gewebe kommt es aufgrund der Zugbelastung zu Schmerzen. Diesen Schmerz merkt das Neugeborene und versucht den Stuhlgang zurückzuhalten. Natürlich kann dies nicht gelingen, aber wie bei einem Damptkessellässt das Kind beim Stuhlgang immer nur die Druckspitze ab, das System Darm steht weiterhin unter Druck. Dies imponiert nach außen als Blähungen.
Eine derartige Analverengung muss nicht behandelt werden, der Ring bildet sich in den ersten Lebensmonaten von selbst zurück. Wenn ein Kind aber starke Schmerzen hat, kann man den Ring behandeln. In einer Sitzung wird unter lokaler Betäubung der Ring mit speziellen Stiften soweit gedehnt, dass er einreißt. Es kommt hierbei isoliert zu einem Einreißen des narbigen Rings, der Schließmuskel wird bei dieser Behandlung natürlich nicht verletzt. Theoretisch sind bei der Dehnungsbehandlung Komplikationen möglich. Da der Ring reißt, kommt es zu einer kleiner Wunde und es blutet ein wenig. Hieraus ergeben sich die möglichen Komplikationen: eine starke Blutung sowie eine mögliche Infektion. Ich führe diese Dehnungsbehandlung seit 1998 in meiner Praxis durch und habe eine derartige Komplikation noch nicht erlebt! Natürlich sind nicht alle Kinder nach einer Dehnungsbehandlung beschwerdefrei, aber bei dem überwiegende Teil der Patienten bessern sich die Blähungsbeschwerden soweit, dass es kein Problem mehr darstellt.

Dr. med. Klaus Pöppel, Schatenweg 2a, 33104 Paderborn, Fon: 0 52 54 / 24 04
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